Hahnemanns Frau by Bauer Angeline

Hahnemanns Frau by Bauer Angeline

Author:Bauer Angeline [Angeline, Bauer]
Language: deu
Format: epub
Published: 2009-12-20T16:00:00+00:00


Das Fest

10. August 1836

Arnaud Citron , Journalist bei Le Temps , war klein und dick und trug eine Brille, die ein wenig schief auf seiner Nase saß. Charles hatte ihn eingeladen, sie kannten sich von einer Reise nach Chartres. Die beiden jungen Männer standen an einem der Fenster und beobachteten das Geschehen.

»Und Dr. Hahnemann feiert den Jahrestag seiner Promotion seit 1779? Und immer mit einem so großen Fest?« fragte Citron erstaunt.

»Früher wohl eher mit einem Stück Fleisch oder einem Glas Weizenbier. Das war schon mehr, als er sich leisten konnte, denn er war arm wie eine Kirchenmaus. In den letzten Jahren allerdings begeht er diesen Tag so festlich wie seinen Geburtstag! Mit einem Bankett oder einer Soiree. Eigentlich sei die Promotion ihm noch wichtiger als der Geburtstag, sagt er. Denn damit wurde doch erst der Grundstein für sein weiteres Leben gelegt.«

Ein kleines Orchester spielte eine Polka. Am Eingang zum Salon erschien eine junge Frau mit einem Kind an der Hand. Ein Mädchen mit blonden Stocklocken und einer großen blauen Schleife im Haar.

»Eine Enkelin von Dr. Hahnemann?« fragte Citron.

»Nein. Das ist Sophie, die Tochter Anton Bohrers.«

»Anton Bohrer – etwa einer der Musikerbrüder Anton und Max Bohrer aus Deutschland, die in ganz Europa gefeiert werden? Sind sie denn auch hier?«

Charles lachte. »Du bist ja ganz blaß vor Ehrfurcht! Ja, sie sind auch hier. Dort drüben, die beiden Herrn, die sich so angeregt mit Madame Hahnemanns Vater, dem Compte Joseph d'Hervilly, unterhalten.«

»Und die gutaussehende Frau? Zu welchem der Brüder gehört sie?«

»Zu keinem. Das ist meine Schwester Éa.«

»Du hast eine Schwester?«

Wieder lachte Charles. »Warum nicht? Traust du mir eine Schwester etwa nicht zu?«

»Doch, aber du hast nie über sie gesprochen.«

»Sie lebt nicht in Paris, wir sehen uns nur selten.«

»Und wer sind die Herren dort drüben?«

»Das sind Kollegen von Dr. Hahnemann. Der mit dem Backenbart ist Dr. Chatron, daneben Georg Heinrich Jahr. Er ist Deutscher und nach Paris gezogen, um Hahnemann in der Praxis zu helfen. Außerdem gibt er eine homöopathische Zeitschrift heraus und erweitert sein Repertorium.«

»Was ist ein Repertorium?«

»Eigentlich hatte ich dich als Freund eingeladen. Jetzt bricht der Journalist in dir durch, und du löcherst mich mit Fragen!«

Arnaud Citron grinste. »Tut mir leid, ich kann nicht anders. Außerdem würde ich natürlich gerne über dieses Fest schreiben. Meinst du, Dr. Hahnemann hätte etwas dagegen?«

»Kommt drauf an, was du schreibst. Lügen und Gemeinheiten wurden genug verbreitet. Wenn du dich unter die Schmierfinken einzureihen gedenkst, sind wir geschiedene Leute.«

»Unsinn, das würde ich nie tun. Also, was ist ein Repertorium?«

»Ein Verzeichnis der Arzneien, die bereits geprüft sind. Ausführliche Mittelbildbeschreibungen, an denen sich die Homöopathen orientieren können. Jahr hat vor langer Zeit ein solches Verzeichnis geschrieben. Inzwischen gibt es aber sehr viel mehr geprüfte Mittel, und ohne Erweiterung wäre es nutzlos.«

»Ah, ja.« Citron nickte. Ein anderer Mann erregte plötzlich seine Aufmerksamkeit. »Und der dort?«

»Das ist Sébastien Colbert, ein Anwalt und Freund der Familie. Die Herren, auf die er jetzt zugeht, kennst du aber bestimmt?«

»Natürlich. Rechts, das ist der Porträtmaler Henry Cheffer und links Pierre-Jean David, der Bildhauer, der sich



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